Kennst du das Impostor-Syndrom?

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Stellst du dir auch manchmal die Frage, ob hoffentlich niemand merkt, dass du nicht perfekt bist?
Fällt es dir schwer deine Erfolge anzuerkennen?
Vielleicht bist du ja auch vom Impostor-Syndrom (= Hochstapler-Syndrom) betroffen …

Die typische „Hochstaplerin“

Marianne ist eine hervorragende Physiotherapeutin. Sie wird von ihren Klienten gerne weiterempfohlen und ist gut gebucht. Aber wenn Marianne Fortbildungen besucht, vermeidet sie Fachgespräche mit Ärzten und Kollegen. Sie befürchtet, dass die anderen sie als inkompetent und nicht ausreichend fachkundig einschätzen könnten. Sie wirft schließlich nicht so selbstbewusst mit Fachausdrücken herum, wie andere Kollegen dies tun. Sie weiß auch nicht alle Krankheitsbilder auswendig und muss immer wieder mal etwas nachlesen. Manche Behandlungen entscheidet sie – ihrer Meinung nach – mehr nach ihren Erfahrungen und nicht aufgrund der letzten wissenschaftlichen Erkenntnisse. Aber hoffentlich merkt das niemand…

Wenn du dich jetzt annähernd in Marianne hineinfühlen kannst, hast du vielleicht auch schon Bekanntschaft mit dem sogenannten Impostor-Syndrom, bzw. zu deutsch „Hochstapler-Syndrom“ gemacht.

Was ist dieses Impostor-Syndrom?

Das Impostor-Syndrom ist entsteht durch verzerrte Selbstwahrnehmungen, Selbstbeurteilungen und Minderwertigkeitsgefühle. Entdeckt wurde es im Rahmen einer psychologischen Studie von Pauline Rose Clance und Suzanne Imes im Jahr 1978 („The Impostor Phenomenon in High Achieving Woman: Dynamics and Therapeutic Inervention“). Viele erfolgreiche und begabte Menschen sind davon betroffen, Frauen allerdings deutlich häufiger als Männer.

Frauen, die unter dem Hochstapler-Syndrom leiden, sind in der Regel sympathische, zurückhaltende Menschen, die lieber unauffällig in der zweiten Reihe stehen. Sie übernehmen gerne auch schwierige Aufgaben und sind oftmals perfektionistisch in ihrem Tun. Obwohl sie gut ausgebildet sind, fühlen sie sich nicht so kompetent und erfolgreich, wie sie von außen wahrgenommen werden. Es fällt ihnen schwer, ihre Erfolge zu genießen und anzuerkennen, denn sie sehen die Ursache ihres Erfolges eher im Zufall oder im Glück.

Falls es dich interessiert, kannst du mit Hilfe dieses Test feststellen, ob du ebenfalls vom Hochstapler-Syndrom betroffen bist:

Der Hochstapler-Test

Beantworte folgende Fragen so ehrlich wie möglich und ohne langes Überlegen. Wähle dabei jeweils eine Antwortalternative, die für dich am besten zutrifft und notiere dir die Zahlen:

1 = trifft überhaupt nicht zu
2 = trifft selten zu
3 = trifft manchmal zu
4 = trifft oft zu
5 = trifft absolut zu

  1. Ich habe oft bei einem Test oder eine Aufgabe Erfolg gehabt, obwohl ich vorher Angst hatte zu versagen.
  2. Ich kann den Eindruck erwecken, tüchtiger zu sein, als ich bin.
  3. Wenn möglich, vermeide ich, jemanden zu beurteilen, und mir graut davor, beurteilt zu werden.
  4. Wenn Leute mich wegen einer Leistung loben, fürchte ich, ihren Erwartungen in Zukunft nicht entsprechen zu können.
  5. Manchmal denke ich, meine gegenwärtige Position oder meinen momentanen Erfolg erlangt zu haben, weil ich zur richtigen Zeit am richtigen Platz war oder die richtigen Leute kannte.
  6. Ich habe Angst, dass Leute, die mir wichtig sind, herausbekommen, dass ich nicht so fähig bin, wie sie glauben.
  7. Ich neige dazu, mich mehr an meine weniger guten als an meine besten Leistungen zu erinnern.
  8. Ich erledige selten ein Vorhaben oder eine Aufgabe so gut, wie ich gern möchte.
  9. Manchmal spüre oder glaube ich, dass der Erfolg in meinem Leben oder meinem Beruf auf einen Irrtum beruht.
  10. Es fällt mir schwer, Komplimente oder Lob wegen meiner Intelligenz oder meiner Leistungen entgegenzunehmen.
  11. Zeitweise ist mir klar, dass ich meinen Erfolg einer Art von Glück zu verdanken habe.
  12. Zeitweise bin ich enttäuscht über meine gegenwärtigen Leistungen und finde, dass ich viel mehr hätte erreichen müssen.
  13. Manchmal habe ich Angst, dass die anderen merken, wie wenig ich eigentlich weiß und kann.
  14. Ich fürchte oft, bei einer neuen Aufgabe oder Anforderungen zu versagen, obwohl mir im Allgemeinen gelingt, was ich versuche.
  15. Wenn mir etwas gelungen ist und meine Leistung anerkannt wird, beginne ich zu zweifeln, dass ich das Erreichte wiederholen kann.
  16. Wenn ich für eine Leistung viel Lob und Anerkennung bekomme, neige ich dazu, die Wichtig- keit dessen, was ich vollbracht habe, herunterzuspielen.
  17. Ich vergleiche meine Fähigkeiten mit denen meiner Kollegen und stelle fest, dass die anderen vermutlich intelligenter sind als ich.
  18. Ich mache mir oft Sorgen, dass mir ein Vorhaben nicht gelingt oder dass ich eine Prüfung nicht bestehe, obwohl andere beachtliches Vertrauen in mein Können setzen.
  19. Wenn ich befördert werden soll oder mir irgendeine Art der Anerkennung bevorsteht, zögere ich, darüber zu reden, bis es tatsächlich geschehen ist.
  20. Ich fühle mich schlecht und entmutigt, wenn ich in Situationen, die große Leistungen erfordern, nicht „der (oder die) Beste“ oder wenigstens „ganz besonders gut“ bin.

[Der Hochstaplertest ist zum Teil wörtlich zitiert aus Clance (1988: 28-32)]

Auswertung

Zähle nun die Punkte aller Antworten zusammen. Je höher die Gesamtsumme, desto häufiger und schwerer bist du vom Hochstapler-Syndrom betroffen.

Bis 40 Punkte: kaum Hochstaplermerkmale
41 bis 60 Punkte: leichte Ausprägung des Hochstapler-Syndroms
61 bis 80 Punkte: mittlere Ausprägung des Hochstapler-Syndroms
Über 80: starke Ausprägung des Hochstapler-Syndroms

Egal wie dein Testergebnis ausfällt: Bitte bedenke, dass das Hochstapler-Syndrom keine pathologische Krankheit ist. Das Ergebnis zeigt dir aber, wie sehr dich deine Ängste und Zweifel daran hindern, dein Talent und deine Fähigkeiten zu akzeptieren und deinen Erfolg zu genießen. Es kann dir bewusst machen, dass du dir damit selbst im Weg stehst und dich dadurch auch selbst einschränkst.

7 Tipps, wie du das Hochstapler-Syndrom wieder loswerden kannst

1. Führe eine Erfolgsliste

Schreibe dir alles auf, das du bereits geschafft hast. Diese Liste ergänzt du im Idealfall täglich weiter, denn bestimmt findest du jeden Tag irgendetwas, das du erfolgreich gemeistert hast. Weitere Infos dazu findest du HIER.

2. Lerne positiv zu denken

Jedem passiert einmal ein Missgeschick. Wichtig ist dabei eher, wie du damit umgehst und es bewertest. Jede Medaille hat zwei Seiten. Du kannst dich entweder den restlichen Tag darüber ärgern und dir Vorwürfe machen oder aber dich auf die Suche nach den positiven Aspekten machen. Du hast die Wahl. Und wenn du das positive Denken lernen und üben möchtest, trage dich in meinen Newsletter ein – demnächst starte ich einen kostenlosen Kurs dazu!

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3. Setze dir Ziele

Sich Ziele zu setzen, diese aufzuschreiben oder zu visualisieren hält dich auf dem richtigen Weg und hilft dir fokussiert zu bleiben. Eine interessante Studie dazu findest du HIER.

4. Höre auf dich zu vergleichen

Es wird immer jemanden geben, der besser, klüger, belesener, kompetenter oder was auch immer ist. Aber so wie du bist, bist du einzigartig und etwas Besonderes. Manchen Menschen hilft genau deine Meinung, deine Art Dinge zu erklären, deine Sicht der Dinge in ihrer Situation weiter.

5. Benenne das Gefühl

Wenn du dich das nächste Mal wieder nicht gut genug fühlst, sage dir: „Das bin nicht ich, das ist nur das Hochstapler-Syndrom“. Denn wenn du dieses unangenehme Gefühl einordnen und benennen kannst, kannst du dich auch davon distanzieren. Du HAST im Moment dieses Gefühl, aber du BIST nicht dieses Gefühl.

6. Sei unperfekt

Gewöhne dich daran, nicht immer alles richtig und bestens machen zu können, indem du bewusst und absichtlich Dinge falsch oder anders machst. Ändere beispielsweise den Ablauf deiner Morgenroutine oder ziehe dir absichtlich zwei verschiedene Socken an. Frag jemanden nach dem Weg, obwohl du ohnehin kennst. Stelle absichtlich jemandem eine „blöde“ Frage.

7. Handle

Wenn dich das Gefühl nicht gut genug zu sein, davon abhält ins Tun zu kommen, nütze die 5-Sekunden-Regel und tu es trotzdem. Nur durchs Tun kannst du Erfahrungen sammeln und dir weitere Erfolge bewusst machen und lernen auf deine Fähigkeiten zu vertrauen. Tipps und Hilfen zum Verlassen deiner Komfortzone findest du hier:
Wie du Herausforderungen leichter nehmen kannst
Die Wissenschaft hinter „Raus aus der Komfortzone“

 

Alles ist veränderbar. Eines der wichtigsten Dinge dabei ist, dass dir erst einmal bewusst wird, was für ein automatisches Programm da in deinem Kopf abläuft. Aber nachdem du bis hierher gelesen hast, bin ich mir sicher, du bist auf gutem Weg! 🙂

 

Alles Liebe,

Gerda Neumann

 

P.S.: Stellst du dich und deine Bedürfnisse immer wieder in die zweite Reihe? Oder bist du unzufrieden mit deiner momentanen Situation, weil du dir denkst, dass das noch nicht alles gewesen sein kann? Dann lade ich dich herzlich zum kostenfreien Coaching mit mir in meine Facebook-Gruppe „Raus aus der Komfortzone – Als Frau selbstbestimmt leben!“ ein. Ich freu mich auf dich!

 

Literatur:
Clance, P.R., Imes, S. (1978). Georgia State University, Atlanta The Impostor Phenomenon in High Achieving Woman: Dynamics and Therapeutic Intervention. Psychotherapy, Theory, Research and Practice, 15 (3).

Clance, P.R. (1988). Erfolgreiche Versager. Das Hochstapler-Phänomen. München. Heyne.